Das es in der Leine schon früher Lachse gegeben hat, daran erinnern sich zumindest die ältesten Einwohner von Niedernstöcken. Und zwar manchmal so viele, dass diese nach der Fischerei mit dem Netz in' s Feuer geworfen worden sind, weil niemand mehr Interesse an den gefangenen Lachsen hatte und schon gar nicht essen mochte.

Nun, über 100 Jahre später versuchen wir, dass sich der Lachs wieder in der Leine heimisch fühlt.

Durch Besatzmaßnahmen, die vor allen sehr kostspielig sind, beteidigen wir uns mittlerweile mehrere Jahre an dem Programm "Leine-Lachs"


 

Der Atlantischer Lachs (Salmo salar):

 

Deutsche lokale Trivialnamen:

Rheinlachs, Salm, Salmen, Grilse, Laß, Mailachs, Randel, Speitzken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lebensraum und Biologie:

 

Der atlantische Lachs hält sich als erwachsenes Tier in den küstennahen Gewässern von Nord- und Ostsee auf. Hier ernährt er sich räuberisch von anderen Fischen, wie z. B. dem Hering und dem Tobiasfisch. Wie auch die Meerforelle und das Meerneunauge ist der Lachs ein anadromer Wanderfisch und wandert zur Fortpflanzung die Ströme und großen Flüsse hinauf. Hierbei orientiert er sich mit seinem Geruchssinn und findet mit sehr großer Sicherheit wieder das Gewässer, in dem er aufgewachsen ist. Nur wenige Lachse verirren sich in andere Gewässer. Die Jungen verbringen nach dem Schlüpfen 2-3 Jahre im Süßwasser. Sie bevorzugen die rasch strömenden, kühlen und sauerstoffreichen Abschnitte der Forellen- und Äschenregion und ernähren sich von Kleinkrebsen und Insekten. Die als Speisefisch geschätzten Lachse stammen heute aus Fischzuchten. Früher wurden sie in großen Mengen auf ihren Laichwanderungen gefangen, oft bevor sie sich fortpflanzen konnten. Dies war auch mit ein Grund für den Zusammenbruch der Lachsbestände.

 

 

 

 

Lachs in Sicht...oder

Wenn in der Leine ein Fisch schwimmt, kann ihn nur jemand hineingeworfen haben...

 

Dieser Spruch , der in den siebziger Jahren unter Anglern kursierte, beschrieb drastisch, aber treffend den traurigen Zustand eines durch Abwässer aller Art biologisch gekillten Flusses.

 

 

Ende vergangenen Jahres ist bei Neustadt ein Fisch in der Leine aufgetaucht, der tatsächlich ins Wasser geworfen worden war vor sechs Jahren als kaum fingerlanger Brütling von den Mitgliedern des Angelsportvereins Neustadt. In der Zwischenzeit hat er es auf immerhin 68 Zentimeter Länge sowie vier Kilo Gewicht gebracht und ist sichtbarer Beweis für zweierlei: Das jahrelange Bemühen der Angler, nach 100 Jahren wieder Lachse in der Leine anzusiedeln, zeigt erste Erfolge. Und das Leinewasser ist wieder so sauber, dass selbst ein anspruchsvoller Kantonist wie dieser Edelfisch den Fluss als Ort für das Laichgeschäft in Erwägung zieht.

 

"Der Lachs stellt höchste Ansprüche an die Wasserqualität", sagt Holger Machulla, Sprecher der Neustädter Angelsportler. Deshalb dürfte es noch einige Jahre dauern, bis die Hannoveraner einen der Edelfische am Hohen Ufer vorbeischwimmen sehen. "Normalerweise ziehen sie jedes Jahr ein Stückchen weiter den Oberlauf hinauf ", erläutert Machulla. Allerdings gilt die Leine in Teilbereichen des hannoverschen Stadtgebietes immer noch als "kritisch belastet bis stark verschmutzt" (siehe rechts). Noch im Sommer 1999 waren durch Abwässer aus Hannover, die nach einem starken Regenguss über die Mischkanalisation in die Leine geschwemmt worden waren, 30 Tonnen Fisch verendet.

 

Machulla und seine Vereinskollegen Peter Reddert und Martin Haverland betreiben die Wiederansiedlung der Lachse in der Region Hannover auf eigene Faust und Kosten. In anderen Bundesländern gibt es dafür Zuschüsse, in Niedersachsen nicht", bedauern die Sportangler. Dabei ist die Angelegenheit zeitaufwändig und nicht eben billig. Seit 1995 kaufen die Neustädter jedes Jahr 15 000 Lachseier in Irland für 25 Pfennig das Stück. Sie werden in Deutschland vom einem Fischwirt betreut. Haben sie das Brütlingsstadium erreicht, setzten die Sportangler sie in den Nebenarmen der Leine aus. "Dort fressen Raubfische sie nicht so schnell weg wie im Hauptfluss", sagt Machulla. Der Fund von Neustadt ist ein Fingerzeig dafür, dass die Wiederansiedlung der Lachse klappen könnte nicht mehr und nicht weniger. "Als Wanderfisch zieht der Lachs im Alter von zwei Jahren aus der Leine über Aller, Weser und Nordsee in den Atlantik, dreht eine Runde um Grönland und kommt mit sechs Jahren erstmals ins Heimatgewässer zum Laichen zurück", erklärt Sportangler Machulla. Nur 300 bis 400 Vertreter eines Jahrgangs kehrten überhaupt zurück, Der Fisch aus Neustadt würde in diesen Wanderzyklus passen. Die Sportangler hoffen nun auf weitere Heimkehrer Kollegen, die weiter flussaufwärts ihrem Hobby frönen, haben Lachse vorbeischwimmen sehen und schwören, dass dies kein Anglerlatein ist. An Land ziehen dürfen sie die Tiere ohnehin nicht, obwohl das schon unter kulinarischen Gesichtspunkten eine Versuchung wäre. Der Lachs steht derzeit aber unter Schutz. Außerdem soll er so lange geschont werden, bis er in der Leine in größerer Zahl und dauerhaft heimisch geworden, ist. ",Das wird in frühestens zehn Jahren der Fall sein", schätzen die Sportfischer. Auch der Heimkehrer hat in keinen Köder gebissen, sondern ist mit einem Elektrogerät kurz betäubt worden. Die Zeit, die er ohne Atemnöte an Land verbringen konnte, hat für das Messen und ein Erinnerungsfoto gereicht. Danach kam er wieder in sein Element und dürfte derzeit auf der Rückreise Richtung Atlantik sein.

 

Für die Neustädter ist das Ereignis Ansporn, mit dem Aussetzen von Brütlingen weiterzumachen "wenn es sein muss, für weitere zehn Jahre", kündigt Holger Machulla an. Damit das Vorhaben nicht ausschließlich aus dem schmalen Vereinsbudget bestritten werden muss, hoffen die Sportangler auf Sponsoren. Auch die Landesregierung, meinen sie, dürfe durchaus Interesse zeigen. "Schließlich fließt die Leine unter den Fenstern des Landtages vorbei", sagt der Vereinssprecher und blickt ein wenig neidisch zu anderen Schauplätzen. Als nach Jahrzehnten die ersten Lachse wieder in Rhein und Elbe aufgetaucht seien, habe es immer ein großes Tamtam gegeben. In Hannover hingegen habe von einem Ereignis, das durchaus als historisch bezeichnet werden könne, kaum jemand Notiz genommen.

 

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